“Nur 30% der Passagiere reisen noch mit gedruckten Boarding Pässen und diese Zahl sinkt jedes Monat weiter.”Tony Capiau, Business Systems Solutions & Support Manager von Brussels Airlines:

Aber das ist schon das Ende der Geschichte – Lasst mich kurz mal erklären wie alles angefangen hat.
So sollte ein Boarding Pass aussehen:

boarding-pass-redesigned

Ich habe mein Ziel erreicht: Ich habe es am Check-in vorbeigeschaft, habe die Security überlebt, und musste so lange warten, dass in der Zeit ein neues iPhone erschienen ist – Endlich ist Boarding Time und ich darf ins Flugzeug.  Die anderen Passagiere und ich bahnen uns langsam unseren Weg zu den Sitzplätzen, als auf einmal der große Typ vor mir den bekannten “Facepalm” macht. Ich weiß auch schon was das heißen soll und werde frustriert… Er  ist zu weit gegangen, hat seine Sitzreihe verpasst, muss umdrehen und sich durch die Menge quetschen.

Nachdem ich durch die Aktion ein paar Knöpfe an meinem Hemd verloren habe, komme ich nun endlich in die Nähe meines Sitzes. Aber irgendetwas stimmt nicht. Da sitzt schon wer und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich den Sitz für mich alleine gebucht habe.
Daraufhin versuche ich der Person zu erklären, dass das mein Sitz sei (und zwar nur meiner) und zwar in jeder europäischen Sprache und mit ein klein wenig Swahili – Aber ohne Erfolg. Die Süße neben ihm schlägt vor, dass ich mir einen anderen Sitz nehme, der natürlich zufällig neben dem schwitzenden Typen ist, der sich gerade die Nägel schneidet.

Alle Charaktere in dieser Geschichte haben eines gemeinsam – Einen solchen Boardingpass:

Boarding pass_with_thermal printers

Oder vielleicht sogar schon die digitale Version, die aber immer noch die Probleme seines Vorgängers hat.

Boarding pass_Passbook

Diese kleine Veränderung könnte die ganze Flug-Erfahrung verbessern. Nicht nur beim Boarden, sondern während des kompletten Aufenthalts am Flughafen. Also warum nicht versuchen diese Dinge besser zu machen?

Boarding Pass Redesign

Dieses Design ist ein Nachtrag zu einem relativ erfolgreichen Artikel, den ich über die Nutzbarkeit von Boarding Pässen geschrieben habe. Ich habe seitdem riesige Mengen an Feedback bekommen und habe mich dazu entschlossen den Boardingpass noch einmal neu zu designen.

So unterscheidet sich dieses Design von denen, die die Fluglinien zur Zeit benutzen:

  • Es enthält nur die wirklich gebrauchten Informationen. Keinen Buchungscode, nicht den ETKT NO und nichtmal den SEQ NO.. was auch immer das heißen soll. Diese Informationen braucht man nicht, oder kennt sie schon.
  • Informationen sind gruppiert
boarding-pass-grouped

Die ganze Zeit, die man an Flughäfen verbringt, kann in drei Schritte aufgeteilt werden und der Boardingpass lotst einen dadurch.)

    • Den Weg zu seinem Sitzplatz finden. Dann müssen die Flugbegleiter nicht allen 400 Passagieren den Weg zu ihren Plätzen zeigen.
way-to-the-seat
  • Große Schrift, damit auch die schlechtesten Augen noch alles erkennen können.

Die Rückmeldung zu meinem letzten Artikel was sehr weit gefächert. Hier mal die kritischsten und kontroversen Punkte, die ich bei diesem Design ansprechen will.

Ist Passbook alles was wir brauchen? (Vielleicht)

Gewisse Leute schlagen vor, dass wir gar keine Papier-Boardingpässe mehr brauchen.

Vorteile: Spart Papier, spart Tinte, man schafft damit das Problem des “ich habe mein Ticket  verloren” aus der Welt.

Nachteile: Mit dem Papier ist man schneller. Einen Blick auf den Papier-Boarding Pass werfen dauert ca. 0,1 Sekunde, während das Entsperren des Smartphones ca. 2 Sekunden braucht. Außerdem hat eine Bordkarte aus Papier auch keinen Akku, der im genau richtigen (oder falschen) Moment leer gehen kann. Wie wir bald sehen werden ist die Antwort auf die Frage “Papier oder Digital” eine einfache. Die derzeitigen digitalen Versionen haben allesamt die Probleme ihrer Papier-Vorgänger geerbt, wie z.B. den fehlenden Willen die Dinge endlich besser zu machen.
Die Digitale Version bietet viel mehr als nur, dass man das Ding jetzt im Handy hat. Man könnte das ganze vielleicht so verändern, dass das ganze sich anpasst. Das soll heißen, dass es die Informationen, die nicht mehr wichtig sind, ausblendet, dafür aber z.B. die Nummer des nächsten wichtigen Gates oder des Sitzplatzes hervorhebt.

Entfernt den Pfeil! (Nein)

Alexander York, Gründer der “12colours Travel Community”:

“Ein neues Design hilft mit den kleinen nervigen Dingen, wie z.B. es in seinen Reisepass reinzubekommen oder die Flugbegleitung fragen zu müssen, wo denn der eigene Sitz sei. Ich mag den Pfeil.”

Manche Leute haben den Pfeil aber aus mehreren Gründen gehasst:

  • Er lässt die Passagiere denken, er sei für Notausgänge
  • Es ist schwierig mit Thermo Druckern zu drucken (wahrscheinlich)
  • Manche Flugzeuge haben ihren Eingang auf der rechten Seite (stimmt wahrscheinlich nicht)
  • Bei ein paar Flugzeugen wird hinten mit dem Boarden angefangen (bei ganz wenigen)
  • Was passiert, wenn der Flugzeugtyp geändert wird und der Passagier bekommt einen neuen Sitzplatz?

Man kann all diese Probleme relativ einfach lösen, außer.. wenn der Flugzeugtyp gewechselt wird. Dabei verliert der komplette Boarding Pass seine bedeutung (nicht nur die Richtung, die der Pfeil anzeigt).
Die Frage ist – Sollen wir wirklich den Komfort von vielen für ein paar Ausnahmen opfern? Dazu später mehr.

Was ist mit dem Flughafen-Arbeitern? (Nette Leute)

Leute finden, dass Angestellte an einem Flughafen mehr Informationen oder andere visuelle Prioritäten auf einer Bordkarte brauchen. Man kann ohne Probleme alle Infos, die das Personal braucht zusammenbringen, aber.. die größere Frage ist: Anstatt den Boarding Pass vollzumüllen, sollten wir nicht lieber über ein sauberes Interface für das Personal nachdenken? Es passt jetzt vielleicht nicht perfekt zu diesen Artikel, aber man könnte mal über folgende Sachen nachdenken:

  • Man könnte irgendwo einen kleinen Farbklecks verstecken, der spezifisch für einen bestimmten Tag ist. Das würde den Passagier nicht stören, würde aber dem Personal klare Informationen geben: Lasst den Typen rein, oder schicken dem sein Gepäck nach Sibirien.
  • Eine andere Lösung wäre es, die Informationen an einen bestimmten Platz zu drucken: Hinten drauf, auf die Seite, wohin auch immer.

Kleiner machen, damit er in Reisepässe passt (Bitte!)

Diese tolle Idee kommt von Peter Smart.

pete-smart

Also hab ich einen Boarding Pass designed, der in Ausweise passt – Und das ohne ihn falten zu müssen. Hier ein Kommentar von Sharron Livingston, einem Chef Herausgeber des Travel Magazine:
“Das ist ein benutzerfreundliches Design, welches einem alle wichtigen Informationen auf einen Blick liefert. Besonders nützlich ist, dass es klein genug ist, um in einen Reisepass zu passen; So kann man ohne Probleme alle seine wichtigen Papiere zum fliegen zusammenhalten.”

Den Abflughafen im Boarding Pass lassen (Nein)

Manche Leser haben damit argumentiert, dass es zwischen Stopps gibt, bei denen das eine essentielle Information ist. Ich sage, dass es nur zu mehr Belastung führt. Was ist einfacher?

  • Miami aus zwei Möglichkeiten auszuwählen: Miami und Buenos Aires
  • Miami – Buenos Aires aus zwei Möglichkeiten auszusuchen: Rom nach Miami und Miami nach Bueno Aires?

Tony Capiau, Business Systems Solutions & Support Manager von Brussels Airlines:

“Zur Notwendigkeit des Abflughafens: Es gibt Passagiere, die während des Check ins bis zu 4 Boarding Pässe für 4 aufeinander folgende Flüge bekommen. Wenn wir den Abflughafen rausnehmen würden, dann hätte der Passagier damit zu kämpfen, welchen Boarding Pass er denn beim nächsten Flughafen einscannen muss.”

Ok, dann schauen wir uns mal Scheren an: Ihre Form erlaubt es ihnen viele verschiedene Aufgaben zu erledigen. Dazu gehört Schneiden, Schrauben, Jemanden bedrohen, etc.. Jetzt fragt mal Jemanden, der eine Schere zum Schrauben benutzt, wie glücklich er mit seine Entscheidung ist.
Das passiert, wenn wir versuchen ein universelles Design für alle möglichen Szenarien zu designen. Wenn du eine Schere dahingehend verbessern möchtest, dass sie besser schrauben kann, dann wirst du am Ende mit einem schweizer Armee-Taschenmesser dasitzen. Und damit kommst du durch keine Security.
Das gleiche gilt auch für den Boarding Pass – Sollten wir wirklich ein universelles Design verwenden, was vielleicht 1% der Passagiere hilft, dafür aber die restlichen 99% nur behindert?
Oder sollten wir darüber nachdenken das ganze auf spezifische Situationen anzupassen?

Was denken Reisende?

Ich habe Teile dieses Artikels an ein paar Blogs geschickt und bin dankbar für ihr Feedback. Dieses habe ich in die passenden Stellen dieses Artikels eingefügt.

Johnny Jet von JohnnyJet.com schreibt folgendes:

“Ich mag wie du den Boarding Pass vereinfacht hast. Das Beste ist, dass die Passagiere wissen, ob sie einen Fenster-, Mittel-, oder Gangplatz haben, da sie das vorher oft nicht wissen und es erst rausfinden, wenn es schon zu spät ist.”

Natürlich wird der Boarding Pass nicht alle Probleme mit dem Sitz-finden lösen, aber wir können versuchen noch ein paar Sachen hinzuzufügen:

    • Eine große Nummer direkt auf den Sitz drucken
seat-number
    • Die Reihennummer vom Gang aus sichtbar machen
rows

“Ich würde auch dazu schreiben, welche Fluglinie das ganze leitet, da das oft verwirrend ist.”

Das stimmt. Manchmal können sie sogar Terminals ändern. Ich schätze ich hätte irgendwo Platz dafür.

Alexander York, Gründer der 12color travel community:

“Das herkömmliche Design des Boarding Pass ist einfach die Realität. Das Design verbessern ist generell eine tolle Sache, aber ich befürchte, dass Fluglinien, damit sie diese Veränderungen übernehmen könnten, neue Standards entwickeln müssten. Und das könnte den Ticketpreis hochschrauben. Und wenn das der Fall wäre, dann ist es wohl besser das ganze so zu lassen, wie es ist.”

Die Frage nach Preiserhöhungen bringt mich zum nachdenken, was wohl die Fluglinien selbst von einem neuen Design halten würden.

Was denken die Fluglinien?

Mein Team und ich haben Teile dieses Artikels an über 30 Fluglinien gesendet und nach einer Meinung gebeten. Während manche einfach ablehnten ein Kommentar abzugeben, haben die meisten unsere Nachfrage einfach ignoriert. Ich dachte das ganze wäre aussichtslos, bis ich dann einen Schimmer von Hoffnung entdeckte:

Nochmals vielen Dank an Tony Capiau, Business Systems Solutions & Support Manager von Brussels Airlines:

“Die Schwierigkeit bei der Veränderung der Board Karten ist, dass sie an anderen Druckern (z.B. dem IER400) gedruckt werden müssen. Leider haben aber Fluglinien keinerlei Einfluss darauf, mit welchem Drucker an verschiedenen Flughäfen gedruckt wird.

Ganz abgesehen davon sollten Boarding Pässe aus Papier bald der Vergangenheit angehören. Wir geben täglich schon durchschnittlich 12.500 mobile Bordkarten raus. Das sind schon fast 50% aller Passagiere. 20% der Passagiere drucken ihre Boarding Pässe außerdem zuhause oder in Check-in Kiosks am Flughafen. Nur 30% aller Passagiere reisen noch mit einer traditionellen ATP-Bordkarte. Und diese Zahl sinkt jedes Monat.”

Während ich also dabei war, ein neues Design für die Bordkarten zu entwerfen, ist die Papierform schon veraltet. Das heißt aber nicht, dass meine Aufgabe beendet ist. Das Problem das ich sehe ist, dass Firmen ihre Bordkarten auf Basis ihrer Papier Vorgänger entwerfen: “Nur eine einzige Version, die universell einsetzbar ist – Alle Informationen auf einen Fleck und die Leute müssen selber damit zurecht kommen.”
Ich denke nicht, dass das richtig ist. Einfach ein altes und schlechtes Design auf den Handybildschirm zu übertragen – Ist das wirklich ein Fortschritt? Eine digitale Version gibt uns jede Möglichkeit sie so sehr zu individualisieren wie wir möchten. Dynamische Änderungen von Flugzeugtypen und Zeitzonen und dazu noch nützliche Tipps anzuzeigen. Und innerhalb der nächsten paar Jahre werden “Thermodrucker” und die “0,1% Sonderfälle” keine genügende Begründung mehr sein, um bei dieser veralteten Methode zu bleiben.